21/11 Verleger lesen.
Wolfgang Hörner liest aus „Trinken Sie Essig, meine Herren!“ vom grandiosen, zu Unrecht weitgehend vergessenen, russischen Autor Daniil Charms. Charms ist so gut, wie Beckett und Kafka – nur ist er noch viel lustiger!
Tom Lamberty liest Anagramm-Gedichte von Unica Zürn. „Das Gesetz für das Anagramm heißt: Alle Buchstaben, die der Ausgangssatz enthält, müssen auch in seinem Anagramm verwendet werden.“ Zürn hat einzigartige Anagramme geschaffen und ihr “Wandeln zwischen den Welten” – zwischen Krankheit und Künstlerdaein – im Schreiben sichtbar gemacht.
Andreas Rötzer liest aus „Durch den Schnee“ von Warlam Schalamow. „Wie tritt man einen Weg in unberührten Schnee? … Der Mann sucht sich seine Punkte in der Unendlichkeit des Schnees: einen Fels, einen hohen Baum — der Mann lenkt seinen Körper durch den Schnee, wie ein Steuermann sein Boot über den Fluß lenkt von Landzunge zu Landzunge.“
Jörg Sundermeier liest aus dem Buch „Almatastr.“ von Germar Grimsen, der ein großer Satiriker ist, aber noch nicht den Ruhm hat, den er zu haben hätte. „Lag morgens lange im Bett. So endet dieser Tag.”
Friedrich Uhlig schreibt 1970 in „DER SORTIMENTS-LEHRLING – Ein Lehrbuch für junge Buchhändler“: „Der Doppelcharakter des Buches muß notwendigerweise auf den Beruf des Verlegers ausstrahlen, der einmal Buchhändler, also Kaufmann, und zum anderen Buchhändler, also Kulturvermittler, ist.
Dem Verleger als Kaufmann fällt die Aufgabe zu, aus der vom Autor gelieferten, einmaligen geistigen Leistung eine Handelsware zu machen, nämlich das Manuskript zu vervielfältigen und dann zu vertreiben.
Aber mit dem Kaufmännischen allein ist die Aufgabe nicht erfüllt. Verleger und Buchhändler müssen sich daher immer bewußt sein, daß sie mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit gleichzeitig mitverantwortlich sind für die Wissens- und Menschenbildung. Sie tragen eine große Verpflichtung einmal gegenüber dem geistigen Schöpfer und zum anderen gegenüber dem Leser.
In der doppelten Aufgabe liegt die Schwierigkeit des Berufes: kulturelles Mittlertum kann der Buchhändler nur erfüllen auf einer gesunden wirtschaftlichen Grundlage. Wenn wir in der Geschichte des Buchhandels nach den Erfolgen bedeutender Buchhändler forschen, werden wir feststellen, daß die besten Mittler des geistigen Gutes gleichzeitig die sorgfältigsten Kaufleute waren.“ (Friedrich Uhlig: DER SORTIMENTS-LEHRLING – Ein Lehrbuch für junge Buchhändler, 1970, DR. ERNST HAUSWEDELL & CO HAMBURG)
Dieser Beitrag wurde vor am Sonntag, 22. Mai 2011 um 14:37 Uhr veröffentlicht und unter Allgemein, Startseitenbeitrag gespeichert.Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen. Kommentare sind momentan deaktiviert, aber Sie können einen Trackback von Ihrer Website hierher setzen.