Franz Josef Czernin: erde, sonett


Franz Josef Czernin, Schriftsteller, 56, Wien und Rettenegg
erde, sonett

aus: Rettenegg – Franz Josef Czernin liest.

dies eingefleischte kleid, darin ich tief versenkt,
dass es sich, stoffe blühend, glanzvoll uns entfaltet,
prächtig erscheint, schön färbend; schleierhaft beengt
es mich, doch damit uns erwirkt, hier leibhaft waltet,

ja, schaltet: schalen sind um schichten mir verhängt,
da jede silbe auf sich drängt, sinnreich uns spaltet,
dass es die blüten streut, dies so besternt, umfängt,
schmerzlich bemäntelnd uns verblümt, doch wohl gestaltet!

wie dunkel zu gefallen, uns dies überträgt
einander musterhaft, da sich, davon durchdrungen,
das blatt so teilt, selbst mit-, bloss sich gewand jetzt legt,

staub aus, in unsren namen: wie wir sind verschlungen
im kern so herz-, ja, sachlich, bis, doch neu geprägt,
dies platzt heraus, mit jeder faser nackt, entsprungen.

aus: ELEMENTE, SONETTE, Gedichte. Hanser-Verlag, Wien – München, 2002