Kapitel 10

Kulturmanager und Kinder.

Aus dieser Tradition schöpft die Wachau ihren Zugang zur Moderne. Thomas Morus schreibt: „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“. Andreas Nunzer, Bürgermeister von Spitz, sagte zur Eröffnung der Europäischen Literaturtage: „Was wir voriges Jahr als kleines Pflänzlein gepflanzt haben, haben wir sorgsam gehütet. Ich hoffe es wird wachsen, es wird einmal ein mächtiger Stamm werden, der seine Äste ausbreitet und wir können darunter ruhen. Können unsere Gedanken fliegen lassen. Können etwas entwickeln, was für uns, aber auch für alle anderen, etwas Kostbares sein wird.

Er las aus „Kinderseele“, weil es Hermann Hesse in wenigen Worten gelingt, sein damaliges Verhältnis zu seinem Vater darzulegen: „Vielleicht zum ersten Mal in meinem kindlichen Leben empfand ich fast bis zur Schwelle der Einsicht und des Bewußtwerdens, wie namenlos zwei verwandte, gegeneinander wohlgesinnte Menschen sich mißverstehen und quälen und martern können, und wie dann alles Reden, alles Klugseinwollen, alle Vernunft bloß noch Gift hinzugießen, bloß neue Qualen, neue Stiche, neue Irrtümer schaffen. … Es war unsinnig, es war toll, es war zum Lachen und zum Verzweifeln – aber es war so.

… *

(* weiter in Kapitel 11)