Kapitel 1

Anhaltisches Theater Dessau liest.

Während der nächsten vier Wochen sendet VolksLesen aus Dessau.

Dessau war ein Zentrum der Aufklärung in Deutschland. „Das ganze Land ist ein Garten Gottes und die Gegend um Dessau ein wahres Paradies. … das Ganze ein Meisterwerk einer glühenden Einbildungskraft. … Sobald man in diese Stadt kommt, sieht man allenthalben Industrie, Kunstfleiß, Handel und jeden sichtbaren Zweig einer guten Staatswirtschaft …“ schreibt Andreas R. Riem 1796. Adolf Müller sieht 1805 „hinreichende Gelegenheit zur Kunstbildung in den schönen Gartenanlagen, Werke aller Art Baukunst … das vortreffliche Theater, Sorge für Musik, mäßiger Reichtum und industriöse Tätigkeit … .“ Karl Marx schreibt rückblickend vom „Musterstaat Anhalt“.

In dieser Woche lesen Schauspieler eben dieses vortrefflichen Anhaltischen Theaters Dessau, das aufgrund der heutigen Staatswirtschaft vor der Schließung steht. Die Dessau-Roßlauer Finanzlage ist dramatisch. Deshalb hat die Verwaltung 83 Prüfaufträge erarbeitet, um 13,5 Millionen Euro einzusparen. Es geht um das Anhaltische Theater und das Waldbad, die Südschwimmhalle, das Naturkundemuseum und den Tierpark. Es geht um Zuschüsse für Sportvereine und Veranstaltungen. Es geht um die Schließung von Sportstätten und Bürgerbüros.

Wenn die Streichliste Wirklichkeit wird, ist Dessau «eine Stadt ohne Zukunft und Perspektive». «Wenn man das Theater schließt, verliert die Stadt ihre Seele.» sagt André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau.