31/08 Religionen.
Pater Manfred Richter SJ, Mitglied der Gesellschaft Jesu, liest aus dem Band „Begegnung“ des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber. Der Abschnitt erzählt von einem Streitgespräch mit einem ihm bekannten Philosophen. Buber liest ihm aus seinem jüngsten Buch vor. Der Zuhörende wendet ein:„Wie bringen Sie das fertig, so Mal um Mal ‚Gott’ zu sagen?“. … Welches Wort der Menschensprache ist so missbraucht, so befleckt, so geschändet worden wie dieses! All das schuldlose Blut, das um es vergossen wurde, hat ihm seinen Glanz geraubt. … Wenn ich das Höchste ‚Gott’ nennen höre, kommt mir das zuweilen wie ein Lästerung vor.“ – Martin Buber entgegnet: „Ja, es ist das beladenste aller Menschenworte. Keines ist so besudelt, so zerfetzt worden. Gerade deshalb darf ich darauf nicht verzichten. … Wir können das Wort ‚Gott’ nicht reinwaschen, und wir können es nicht ganz machen; aber wir können es, befleckt und zerfetzt wie es ist, vom Boden erheben und aufrichten über eine Stunde großer Sorge.“
Marco Hinze, Wirt und Bibliothekar, 42, liest aus Shantidevas „Lebensführung im Geiste der Erleuchtung“. Das ist einer der Quelltexte des tibetischen Buddhismus. Der Dalai Lama sagt: „Es genügt, nur diesen einen Text zu lesen, um den Weg der Erleuchtung zu gehen“. Shantideva ist der Legende nach ein Königssohn aus Südindien, der in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts lebte. – „Wann nur werde ich als mein eigener Herr und ohne Begehren leben, in von Natur her weiten Gegenden, die niemandem gehören? Wann nur werde ich selbst dann furchtlos leben können, wenn ich meinen Körper nicht verberge, nichts als eine Bettelschale und andere wenige Habseligkeiten besitzend und Kleidung tragend, die von niemandem mehr gebraucht wird?“
Diese Woche zeigen wir Lesungen zum Thema „Religionen“. Das Lexikon sagt, dass es keine allgemein anerkannte Definition des Begriffes gibt.
Dieser Beitrag wurde vor am Dienstag, 9. März 2010 um 16:58 Uhr veröffentlicht und unter Bibliothek gespeichert.Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen.
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