Kapitel 116

Verleger lesen.

Friedrich Uhlig schreibt 1970 in „DER SORTIMENTS-LEHRLING – Ein Lehrbuch für junge Buchhändler“: „Der Doppelcharakter des Buches muß notwendigerweise auf den Beruf des Verlegers ausstrahlen, der einmal Buchhändler, also Kaufmann, und zum anderen Buchhändler, also Kulturvermittler, ist.

Dem Verleger als Kaufmann fällt die Aufgabe zu, aus der vom Autor gelieferten, einmaligen geistigen Leistung eine Handelsware zu machen, nämlich das Manuskript zu vervielfältigen und dann zu vertreiben.

Aber mit dem Kaufmännischen allein ist die Aufgabe nicht erfüllt. Verleger und Buchhändler müssen sich daher immer bewußt sein, daß sie mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit gleichzeitig mitverantwortlich sind für die Wissens- und Menschenbildung. Sie tragen eine große Verpflichtung einmal gegenüber dem geistigen Schöpfer und zum anderen gegenüber dem Leser.

In der doppelten Aufgabe liegt die Schwierigkeit des Berufes: kulturelles Mittlertum kann der Buchhändler nur erfüllen auf einer gesunden wirtschaftlichen Grundlage. Wenn wir in der Geschichte des Buchhandels nach den Erfolgen bedeutender Buchhändler forschen, werden wir feststellen, daß die besten Mittler des geistigen Gutes gleichzeitig die sorgfältigsten Kaufleute waren.“ (Friedrich Uhlig: DER SORTIMENTS-LEHRLING – Ein Lehrbuch für junge Buchhändler, 1970, DR. ERNST HAUSWEDELL & CO HAMBURG)