Kapitel 8

Pfarrer lesen.

Zürich ist eine Hochburg der Reformation. Zur Mitte des 15. Jahrhunderts war die päpstliche Kirche eine Plage – wegen des Reichtums und der sittlichen Verwahrlosung des Klerus. Deshalb wählten die Chorherren vom Zürcher Grossmünster 1519 den freien und gebildeten Huldrych Zwingli zum neuen Leutpriester. Dies geschah trotz seiner Frauengeschichte in Einsiedeln. Allerdings hatte sein Konkurrent mit einer Geliebten sechs Kinder.

Mit der Bibel in der Hand, begann Zwingli gegen alles Nichtbiblische zu predigen: Gegen die Verehrung von Bildern, Reliquien und Heiligen. Gegen das Zölibat, die Eucharistie, das Reislaufen und den Ablass-Handel. Zum Bruch mit Rom kam es, als er mit einem öffentlichen Wurstessen das Fasten brach. 1522 reformierte Zwingli sein eigenes Leben und heiratete Anna Reinhart. Er starb 1531 im Zweiten Kappelerkrieg, als Soldat der Reformation. Sein Leichnam wurde gevierteilt und verbrannt.

Die Reformation verdankt ihren Erfolg in Zürich auch dem Rückhalt im Rathaus. Durch die Säkularisierung der Klöster gelangte die Stadt zu ausgedehntem Grundbesitz und hohen Einkünften, so dass Steuern in Zürich bis ins 19. Jahrhundert nur noch ausnahmsweise erhoben wurden. Seit der Reformation wird der Stadt der Zürcher Stil zugeschrieben: Bescheidenheit in den Zielen und die Bereitschaft, sich am Machbaren zu orientieren.

In dieser Woche lesen Pfarrer – Nachfolger von Huldrych Zwingli, dem es zuerst um den Menschen ging. Und dann um das Wort.