Kapitel 2

Handwerk und Lebensart liest.

In dieser Woche lesen die Hinzes. Beate Hinz ist Handweberin. Sie beherrscht das traditionelle Sticken, Stricken und Spinnen. Uwe Hinz ist Kürschnermeister. In ihrem Geschäft für „Handwerk und Lebensart“ in der Passage „Am Güldenen Brinken“ verkaufen sie die Produkte ihres Handwerks, sowie Wein und Pfeifentabake, Tee und Bücher.

Uwe Hinz ist kundiger Kenner der Geschichte der Insel. Als Stadtführer „Magister Historicus“ entführt er seine Gäste in die Historie Bergens. Er sagt: „Das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Stadt war der Bau der Marienkirche im Jahre 1193.

Europa ist damals fast vollständig christianisiert. Aber auf Rügen leben die Ranen. Auf der Tempelburg Arkona verehren sie Svantovit, ihren vierköpfigen Gott. Die Ranen sind Fischer und Bauern, Seeleute und Handwerker. Mit kleinen, wendigen Schiffen fahren sie auf der Ostsee. Sie handeln und scheuen keine Händel. Ranen und christliche Dänen liegen in ständiger Fehde.

1168 greifen die Dänen Rügen wieder an. Sie erobern Arkona und zerstören den Tempel. Doch die Ranenfürsten kämpfen nicht. Sie vermeiden Blutvergießen und halten ihre Männer zurück. Sie ergeben sich den Dänen und dem neuen Glauben. So fällt die letzte Bastion der slawischen Götterwelt. Trotzdem gelingt es den Ranen, die Eigenständigkeit Rügens zu bewahren. Sie legen den Grundstein für das friedliche Zusammenleben von Alteingesessenen und Zugewanderten. Die Geschichte Rügens ist auch eine Geschichte erfolgreicher Integration.

Ranenfürst Jaromir I. ist der erste christliche Herrscher der Insel. Auf seinen Münzen nennt er sich REX und trägt eine mit Edelsteinen besetzte Krone. Er braucht einen Ort, um die Freien der Insel zusammenzurufen. Symbol der Einheit Rügens und Zeichen seiner Macht soll eine prächtige Pfalz in Bergen sein. 1180 lässt Jaromir den Bau der Marienkirche ins Werk setzen. Ihr Vorbild ist der Speyrer Dom.

13 Jahren arbeiten die Bauleute. Sie müssen versorgt werden. Händler und Wirte siedeln sich an, Handwerker und Schreiber. Auch Spiel und Spaß muss sein. Die Siedlung Gora wird zur Stadt. Seit ihrer Einweihung im Jahre 1193 ist die Marienkirche von fast jedem Punkt der Insel aus zu sehen. Die Stadt wird Residenz der Landvögte, Marktplatz und Ort der Gerichtsbarkeit. Auch wenn Bergen nicht zur prächtigen Pfalz wurde, führt seit dem Bau der Marienkirche auf Rügen jeder Weg über Bergen.