Kapitel 6

Dadaisten lesen.

1916 – Februar. In der düstersten aller Gassen, im Schatten von Häuserschluchten, wo man taktvollen Detektiven im Rotlichtbezirk begegnet – GEBURT – Geburt des CABARET VOLTAIRE.*

Ein Kreis junger Emigranten eröffnet in Zürich in der Spiegelgasse 1, unweit von Lenins Exilwohnung, den Kreißsaal des Dadaismus. DADA beginnt als Protest gegen den ersten Weltkrieg und steht für totalen Zweifel an allem, absoluten Individualismus und die Ablehnung konventioneller Kunst.

Dada ist eine neue Kunstrichtung. Das kann man daran erkennen, daß bisher niemand etwas davon wußte und morgen ganz Zürich davon reden wird. … Dadaist sein, heißt, sich von den Dingen werfen lassen. Gegen die ästhetisch-ethische Einstellung! Gegen die weltverbesserenden Theorien literarischer Hohlköpfe! Für den Dadaismus im Wort und Bild, für das dadaistische Geschehen in der Welt. Gegen dies Manifest sein, heißt Dadaist sein!**

In dieser Woche lesen die Dadaisten des CABARET VOLTAIRE aus Büchern, die sie nicht gelesen haben.

*Tristan Tzara, Chronique Zurichoise
**Hugo Ball, Eröffnungs-Manifest